«Wir hatten ein schlechtes Gefühl.»
Impressum: Interview von Yves Carpy, Aargauer Zeitung, mit Herbert Brändli, B+B Vorsorge AG, Thalwil, 10. August 2008
Herbert Brändli, Präsident des Stiftungsrates der Profond-Sammelstiftung, über Auswirkungen der Finanzkrise
Herr Brändli, wie viel Geld hat Ihre Sammelstiftung in diesem schlimmen Börsenjahr schon verloren?
Herr Brändli: Wir haben nichts verloren, aber rund 265 Millionen Franken Buchverluste. Die Performance auf unserem von 2,4 Milliarden Franken betrug im ersten Halbjahr fast minus 10 Prozent. Der August war wieder ein guter Monat.
Wie hoch war Ihr Velust beim Verkauf Ihrer einen Million UBS-Aktien?
Nur 5 Millionen Franken. Wir haben 1,3 Millionen Aktien zugekauft, als der Kurs auf 23 gefallen war. Damit haben wir unseren durchschnittlichen Einstiegspreis auf 37 Franken gesenkt. Als der Kurs auf 36 stieg, stiessen wir alle ab.
Sind solche Husarenstücke sinnvoll zum Ansparen einer sicheren Rente?
Das spricht für die Qualität unseres Vermögensverwalters. Würden wir nach dem gebräuchlichen Index investieren, würde unsere Performance wegen der Finanzbranche stärker leiden. Die Grossbanken haben ein viel zu grosses Gewicht darin und sind unberechenbar.
Sie haben bei der UBS für die Kapitalerhöhung gekämpft. Wieso haben Sie den Titel dann abgestossen?
Die Bankleitung hat sich nicht im erwünschten Mass neu formiert. Wir hatten ein schlechtes Gefühl; es hat sich bisher auch nicht viel zum Guten getan.
In was investieren Sie zurzeit?
In solide Industrietitel. Wir finden sehr gute Kaufgelegenheiten. Bekannte Unternehmen haben volle Auftragsbücher und sind, gemessen an ihren Gewinnaussichten, günstig. Zudem suchen wir Immobilien für Direktanlagen.
Der hohe Aktienanteil ist mit über 50 Prozent riskant: Ihr Deckungsgrad fiel im ersten Halbjahr von 105 auf 95 Prozent.
Aufsicht und Medien stellen immer auf den Deckungsgrad ab. Doch ist eine Kasse mit einem hohen Deckungsgrad automatisch gut? Nein, denn sie behält Gewinne ein, die denen fehlen, die die Stelle wechseln oder in Rente gehen. In Kassen mit chronischer Unterdeckung leben die Alten dagegen auf Kosten der Jungen, wie etwa bei den SBB. Wir streben einen Deckungsgrad von 110 Prozent an, nicht mehr.
Was stimmt Sie so zuversichtlich, dass Sie so einfach wieder aus der Unterdeckung raus kommen? Viele Kassen haben nach dem letzten Börsencrash jahrelang gebraucht.
Man darf nicht in Panik verfallen und im falschen Moment verkaufen.
Ihre Risikofähigkeit ist geschwächt.
Das ist sie nicht. Die Risikofähigkeit wird vor allem durch die Liquidität bestimmt. Die ist gegeben: Ich kann alle Leistungen aus den Prämieneinnahmen mehr als decken. In den letzten 17 Jahren unseres Bestehens haben wir im Durchschnitt einen Ertrag von 6,9 Prozent erwirtschaftet, und wir haben trotz dem Auf und Ab der Börse durchschnitllich 5 Prozent ausgeschüttet.
Die Versicherungsgesellschaften werben damit, dass bei Ihnen die versicherten Altersguthaben jederzeit 100 Prozent gedeckt und sicher sind.
Dafür halten sie kaum Aktien und haben eine ungenügende Wertschöpfung. In schlechten Jahren müssen die Versicherten die ihnen zustehende Rendite sogar mittels Beiträgen selber bezahlen.
Yves Carpy
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