Die Stiftung ist ein gutes Instrument, um Schwankungen an den Anlagemärkten auszugleichen
Interview mit Herbert Brändli - Artikel erschienen in Vorsorgeexperten Aktuelle Themen/Aus dem Markt/Interviews – Datum: 20. Juli 2011. Link für Download Artikel
«Die Stiftung ist ein gutes Instrument, um Schwankungen an den Anlagemärkten auszugleichen» Die Sammelstiftung Profond hat es bereits mehrmals geschafft, eine Unterdeckung wieder auszugleichen. Vorsorgeexperten.ch hat bei Herbert Brändli von der Vorsorgeberatung B+B nachgefragt, welche Massnahmen dazu nötig waren und worauf es bei der Verwaltung von Pensionskassen ankommt.
Herr Brändli, anlässlich der Generalversammlung und des 20-Jahr-Jubiläums von Profond haben Sie erklärt, dass die Unterdeckung dieser Sammelstiftung per Ende 2010 ausgeglichen werden konnte. Wie kam es zur Unterdeckung?
Der Grund waren Marktentwicklungen. Profond versucht stets, möglichst stark in Realwerte, sprich in Aktien und Immobilien, investiert zu sein. Wir investieren nicht in die Börse, sondern in Firmen, die wir uns vorher genau anschauen. Die Entwicklung unseres Portfolios ist daher nicht dieselbe wie die der Börse. Im Zuge der Finanzkrise haben aber fast alle Firmenbewertungen gelitten. So ist auch unser Vermögen weniger hoch bewertet worden. Daraus resultierte eine Unterdeckung.
Diese Unterdeckung hatte also mit dem Finanzmarkt zu tun und nicht mit der strukturellen Finanzierung.
Wir berechnen unsere Beiträge und Leistungen sowie die technischen Rückstellungen anhand von allgemein gebräuchlichen biometrischen Grundlagen und aufgrund eines technischen Zinssatzes von derzeit 4%. Wir sind überzeugt, dass wir die dazu notwendigen 4,5% Anlageperformance auch langfristig erreichen können. Über die vergangenen 20 Jahre haben wir eine durchschnittliche Performance von 5,8% erreicht. Ich sehe heute keinen Grund, weshalb die Performance in den kommenden 20 Jahren nicht mindestens ebenso hoch sein sollte.
Aktien haben in den vergangenen 10 bis 20 Jahren ausnehmend gut rentiert. Solche Renditen werden in den kommenden Jahren kaum mehr zu erzielen sein. Sehen Sie das anders?
Die ersten zehn Jahre haben wir im Durchschnitt eine Rendite von über 7% erzielt. Das wurde in den letzten zehn Jahren nach unten korrigiert. Ich bin auch der Meinung, dass wir nicht immer solche Wachstumsraten sehen werden. In der globalen Vernetzung müssen wir aber zwischen verschiedenen Wirtschaftssphären unterscheiden. Einige davon verzeichnen ein stattliches Wachstum und werden auch künftig stark wachsen. Wir legen ja nicht nur in der Schweiz an. Zudem sind viele Schweizer Firmen weltweit tätig. Die grossen Konzerne erzielen ihren Hauptumsatz im Ausland und in aufstrebenden Märkten. Darum bin ich so zuversichtlich, dass unsere Versicherten auch in Zukunft an anständigen Kapitalerträgen teilhaben können. Sie sind höher und sicherer als Zinsen für Kredite, insbesondere in Form von Anleihen gewisser Staaten. Obligationen und Staatsanleihen bringen bei weitem nicht das an Ertrag und Sicherheit, was wir in der zweiten Säule eigentlich bräuchten.
Was garantiert den Versicherten, dass Sie nicht mehr in Unterdeckung kommen bzw. vielleicht falsch liegen mit Ihren Annahmen?
Schwankungen sind ein notwendiges Übel für die Wirtschaftsentwicklung. Wir hatten in den vergangenen 20 Jahren immer wieder Unter- und Überdeckung. Profond ist 1991 gestartet und war bereits zwei Jahre später in Unterdeckung. Damals musste man den aktiv Versicherten von Gesetzes wegen trotzdem 4% Zins zahlen. Da hat sich niemand um die Unterdeckung geschert und keine Pensionskasse ist daran zugrunde gegangen. Für uns stehen hohe Leistungen an unsere Versicherten im Vordergrund. Die Vorsorgestiftung ist ein ideales Instrument, um Schwankungen an den Anlagemärkten auszugleichen und Leistungen unabhängig vom Eintrittsjahr und Jahrgang der Versicherten zu erbringen. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Erträge aus den Kapitalmärkten zu glätten und unseren Versicherten als konstante, sichere Leistungen weiterzugeben. Das hat automatisch temporäre Über- und Unterdeckungen zur Folge. Die Risikofähigkeit wird dann durch eine zu sichernde Liquidität und Funktionsfähigkeit definiert.
In Unterdeckung zu geraten, ist Ihrer Meinung nach also kein Problem.
Ich muss darum besorgt sein, dass das strukturelle Verhältnis stimmt, sprich, dass die Beiträge, die einbezahlt werden, plus die langfristigen Erträge mit den Leistungen, die wir weitergeben und den Kosten, die wir verursachen, übereinstimmen. Dabei gilt es, zwischen Rentabilität und Renditen zu unterscheiden. Massgebend ist die Rentabilität einer Investition über ihre Laufzeit und nicht die jährlich schwankende Rendite. Anderseits werden auch die Pensionskassenverpflichtungen mithilfe von Discounted Cash Flows berechnet. Das heisst, künftige Renten, die vielleicht irgendwann fällig sind, werden über 40 bis 80 Jahre diskontiert. Das ist schon einmal eine sehr schwache und entsprechend manipulierbare Kennzahl. Auch auf der Aktivseite stehen die Werte teils auf schwachen Füssen. Schaut man sich die Bilanzen von Pensionskassen genauer an, erkennt man, dass beispielsweise Immobilien anhand von DCF-Bewertungen verbucht werden. Da werden erwünschte Mieterträge über viele Jahre diskontiert mit entsprechend vager Aussagekraft. Der Deckungsgrad ist für mich zwar wichtig, jedoch nicht in seiner absoluten Höhe, sondern in seiner fortlaufenden Entwicklung unter gleichen Voraussetzungen.
Mit anderen Worten, die Profond ist liquide.
Wir können jederzeit garantieren, dass wir geschuldete Leistungen auch zahlen können. Nur das zählt. Wir haben einen grösseren Inflow als Outflow, was übrigens auch für die ganze Schweiz gilt, und legen jeden Monat etwa 15 Millionen Franken neu an. Daneben zahlen wir regelmässig Leistungen aus. Viele Leute, die in der Vorsorge wirken, gehen für Überlegungen zum Deckungsgrad davon aus, dass die Pensionskassen Ende Jahr liquidiert werden. Das ist jedoch eine wahnwitzige Unterstellung. Ich sehe diesbezüglich nur ein grosses Risiko, nämlich, dass die Finanzmärkte plötzlich für immer nur noch abwärts tendierten. In der Vergangenheit folgte jedem Ab ein Auf. Diese Volatilität ist gerade bei Realwertanlagen vergleichsweise hoch und hat in letzter Zeit eher zugenommen. Gäbe es allerdings kein Aufwärts mehr, würden Diskussionen um die Sicherheit unserer Renten sowieso hinfällig. Das würde nämlich bedeuten, dass weltweit nichts mehr produziert wird und wir nichts mehr konsumieren könnten.
Wie sieht es mit den Wertschwankungsreserven aus?
Die definitiven Verordnungen zur Strukturreform sehen in Artikel 46 der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge BVV 2 vor, dass Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen nur unter zwei Voraussetzungen Leistungsverbesserungen gewähren dürfen: a) Höchstens 50% des Ertragsüberschusses vor Bildung der Wertschwankungsreserven dürfen dafür verwendet werden und b) muss die Wertschwankungsreserve zu mindestens 75% ihres Zielwerts geäufnet sein. Der Deckungsgrad muss zudem mindestens 110% betragen. Wer seinen Versicherten also Mehrleistung geben will, braucht Wertschwankungsreserven. Diese Reserven sind ein klares Window dressing und dienen in erster Linie der Beruhigung der Gewissen. Letztlich bringen sie aber nur Probleme bei der Verteilung der Gelder. Denn die Pensionskassen geben Versicherten, die austreten, in der Regel nichts von diesem Kapital mit. Jeder der austritt, lässt somit Geld liegen für Reserven, die auch für ihn gebildet wurden. Die nächste Pensionskasse, der er beitritt, hat vielleicht keine, sicher aber andere Reserven. Im Übrigen entbehrt dieser Artikel 46 jeglicher gesetzlichen Grundlage und ist deshalb in der Vernehmlassung stark unter Beschuss geraten. Das scheint den Regulator nicht zu kümmern, wohl ebenso wie die Begründung, warum Versicherungen und der Gewerbeverband, aus dem der künftige Präsident der neuen Oberaufsichtskommission stammt, von diesem Artikel ausgenommen sind.
Wie Sie an der Generalversammlung von Profond erklärt haben, ist es Ihnen inzwischen gelungen, die Unterdeckung auszugleichen. Offenbar ist Ihnen das schon mehrmals gelungen. Welche Massnahmen haben Sie dazu getroffen?
Ende vergangenen Jahres lag der Deckungsgrad bei 99,6%. Mitte Juni dieses Jahres war er bei 100,4%. Die finanziell wirksamste Massnahme, war die Reduktion der internen Verzinsung der Altersguthaben von den reglementarisch avisierten 4% auf 2%. Daneben haben wir kapitalschonende Massnahmen getroffen, indem wir Kapitalabflüsse in Zusammenhang mit der Wohneigentumsförderung eingeschränkt haben. Versicherte dürfen Hypotheken nicht mehr mit BVG-Geldern ablösen, bzw. refinanzieren. Will aber jemand tatsächlich bauen, kann er dafür weiterhin Vorsorgekapital beziehen. Damit, dass wir den aktiv Versicherten nun schon im dritten Jahr nur 2% Zins gutschreiben, haben wir jedoch ein Ungleichgewicht zu den Rentnern geschaffen. Sie erhalten 4%, was in ihren Renten bereits eskomptiert ist. Sobald wir die notwendige Überdeckung erreichen, werden wir entsprechend den aktiv Versicherten mehr als 4% Zins gutschreiben, um so ihre künftigen Renten wieder auf das Leistungsniveau der Rentner zu erhöhen. Dennoch ist es auch unser Ziel, die Kaufkraft der laufenden Renten zu erhalten, indem wir sie der Teuerung anpassen. Während der vergangenen 20 Jahre konnten wir sie um durchschnittlich 0,9% pro Jahr anpassen. Das ging die letzten Jahre leider nicht mehr. Die Renten haben wegen der Teuerung also an Kaufkraft verloren.
Demnach gab es eine Umverteilung von den aktiv Versicherten zu den Rentnern.
Der Meinung, dass die Rentner zu viel erhalten oder die Renten gekürzt werden müssten, bin ich gar nicht. Denn für jeden aktiv Versicherten wird, wenn er in Rente geht, das volle notwendige Deckungskapital bereitgestellt. Dieses Deckungskapital wird während der Laufzeit laufend verstärkt, um die zunehmende Lebenserwartung auszugleichen. Abgesehen von den aufgezwungenen Sanierungsmassnahmen gibt es also keine Umverteilung von Jung zu Alt oder umgekehrt. An diesem Punkt möchte ich auch an die andere Seite der Medaille erinnern, als viele Kassen während der Boom-Jahre Ende der 1990er so genannte Beitragsferien eingeführt hatten, in denen den aktiv Versicherten hohe Zusatzzinsen gewährt und die Beiträge erlassen wurden. Die Renten wurden demgegenüber kaum im selben Masse erhöht. Über diese temporäre „Umverteilung“ von Alt zu Jung hat sich niemand aufgeregt. Im System mit schwankenden Deckungsgraden erfolgt damit heute also nur ein Ausgleich von früheren Defiziten. Man sollte deshalb stets in grösseren Zeiträumen denken und nicht immer nur die letzten fünf oder zehn Jahre betrachten. Versicherte sind mit ihrem Kapital während 70 bis 80 Jahren im Pensionskassensystem, und nicht nur ein oder zwei Jahrzehnte.
Profond kennt also keine strukturellen Probleme irgendwelcher Art.
Die Struktur einer Kasse, also das Verhältnis von Aktiven zu Rentnern bzw. von Beiträgen zu Leistungen ist sehr wichtig. Das muss man beobachten. Wenn man die so genannte Perennität bzw. die Formel Input gleich Output überschreitet, wovon Profond aber noch weit entfernt ist, dann müssen bei den Anlagen andere Massstäbe angesetzt werden, um die Liquidität zu gewährleisten. Als Experte betreue ich unter anderem auch reine Rentnerkassen, in die keine Beiträge mehr von Aktiven einfliessen. Die haben allerdings keine Probleme mit den Wertschwankungen, wenn sie sich früh genug die Frage gestellt haben, wie sie das Vermögen mit Reserven hinterlegen. Der Zeitpunkt, da sich eine Rentnerkasse einer Sammelstiftung anschliessen muss, um die Mittelzu- und –abflüsse wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wird letztlich aber kommen und muss gut vorbereitet werden.
Haben Sie solche Rentnerkassen auch übernommen?
Profond hat in der Vergangenheit ein paar Rentnerkassen übernommen, damit diese wieder einen Aktiven-Bestand im Rücken hatten, der Vermögensschwankungen erlaubte.
Worin liegt der Vorteil, eine solche Rentnerkasse zu übernehmen?
Für Profond bietet eine solche Übernahme weder Vor- noch Nachteile, da Zu- und Abgänge grundsätzlich gleich behandelt werden wie jene, die schon vorher da waren bzw. nachher noch da waren. Es gibt eine Ausnahme von dieser Regel der Gleichbehandlung, der Einzelaustritt. Das Freizügigkeitsgesetz definiert ihre Abgangsentschädigung bzw. das BVG-Guthaben, unabhängig vom Deckungsgrad, als nominale Grösse. Jeder Ein- und Austritt löst damit automatisch Umverteilungen aus. Schliesst sich eine Gruppe der Profond an, muss sie sich in die bestehenden Reserven einkaufen. Ist umgekehrt der Deckungsgrad bzw. sind die Reserven bei Profond negativ, werden bei Neuanschlüssen im Umfang ihres übersteigenden Deckungsgrads Reserven frei. Diese fliessen nicht in die Zustandsberechnungen der Profond ein, sondern der Neuanschluss kann darüber mit einer Einschränkung grundsätzlich für den eigenen Bestand verfügen: Solange die Profond in Unterdeckung ist, gilt ein Verwendungsverzicht über diese Mittel, sprich das Geld bleibt solange liegen, bis die Stiftung als Ganzes wieder aus der Unterdeckung ist. Erst dann können die Anschlüsse diese Mittel zur Beitragserleichterung oder Leistungserhöhung einsetzen. In leicht anderer Form wurde diese Massnahme bereits im Jahre 2002 als Verwendungsverzicht von temporär erhobenen Sanierungsbeiträgen, die nicht der Stiftung sondern jedem einzelnen Versicherten gutgeschrieben wurden, eingeführt. Heute ist diese Übergangsfinanzierung allgemein anerkannt und vom Regulator als Sanierungsmassnahme vorgegeben. Ein Neuanschluss verändert den Deckungsgrad bei Profond also grundsätzlich nicht, ebenso wenig wie ein Kassenabgang.
Wenn solche Übernahmen keine Vorteile bieten, weshalb tätigt man sie dann?
Profond versteht sich grundsätzlich als reinen Dienstleister gegenüber aktuellen, potentiellen und austretenden Versicherten und hat keinen Selbstzweck. Als Stiftungsratspräsident bin ich aber seit der Gründung immer wieder an Diskussion beteiligt, ob und wie weit Profond wachsen soll und was die ideale Grösse für einen optimalen Wirkungsgrad der Stiftung ist. Dabei geht es natürlich um die Frage, ab welcher Grösse wir optimale Netto-Renditen erzielen können, die bis jetzt nicht schlüssig beantwortet werden konnte. Grundsätzlich besteht keinerlei Druck zu wachsen, auch wenn wir zeitweise Wachstumsraten von bis zu 50% pro Jahr verzeichnen. Etwas anders liegen die Interessen bei der Beratungsfirma B+B, die Profond im Auftragsverhältnis administriert. B+B hat ein natürliches Interesse an einem gesunden Wachstum der Stiftung, welches gleichzeitig ihren Verwaltungsauftrag wachsen lässt. Ich würde mich allerdings nie erdreisten, deswegen im Underwriting oder Anlagebereich aktiv zu werden. Dafür hat Profond ausgewiesene Spezialisten eingesetzt. Worauf ich als Stiftungsrat Einfluss nehme, ist die Anlagestrategie und darauf, dass man möglichst in Realwerte und gute Firmen investiert.
Inwieweit spielt Grösse bei der Anlageperformance eine Rolle?
Früher haben uns die Banken und Vermögensverwalter die Bedingungen in Bezug auf Provisionen, Gebühren und dergleichen diktiert. Heute gehen wir auf den Markt und diktieren die Bedingungen selbst. Dadurch erzielten wir massive Einsparungen bei den Anlage- und Verwaltungskosten. Heute sprechen wir mit den Chefs, während sie uns früher die Lehrlinge vorbeigeschickt haben. Das ist eine Frage der Grösse.
Von welcher Anlagesumme sprechen wir hier?
Das Vermögen beträgt heute etwa 3,5 Milliarden Franken. Das lockt viele Leute an, die gerne mit verwalten und daran verdienen möchten.
Lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass diese Grösse auch zwingend ist, um eine gute Anlageperformance zu erzielen?
Das ist durchaus nicht so. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Als Experte betreue ich eine Pensionskasse, die ich 1992 von einer Versicherungsgesellschaft befreit habe und in die Autonomie führte. Die Kasse verfügt nur über ein Vermögen von rund 35 Millionen Franken. Sie konnte trotzdem ihren Versicherten in den vergangenen 18 Jahren durchschnittlich 7,1% Zins gutschreiben. Der Vermögensverwalter dieser Stiftung verwaltet auch einen Teil des Vermögens der Profond. Er verfügt über derart gute Kenntnisse und Beziehungen, dass es ihm möglich war, auch mit dem Vermögen der kleinen Kasse eine weit überdurchschnittliche Performance zu erzielen. Damit widerspreche ich jedem, der behauptet, nur grosse Kassen hätten eine Daseinsberechtigung und all die kleinen Kassen müssten verschwinden. Wichtig ist nur, dass sie professionell geführt werden.
Sie sind bekannt dafür, dass Sie vor allem in Aktien investieren. Was ist der Grund?
Pensionskasse müssen mindestens den Realwert der Beiträge erhalten, die ihr zufliessen, sonst sind sie destruktiv und verlieren ihre Daseinsberechtigung. Wird diese Vorgabe nicht erfüllt, könnte man das Kapital besser, wie in der AHV, umlegen. Aus dieser Überlegung heraus bevorzuge ich Realwerte, da ich die Versicherten an der Entwicklung der Wirtschaft und an den Kapitalerträgen teilhaben lassen will. Daraus ergeben sich natürlich gewisse Konsequenzen. Wenn wir in Firmen investieren, können wir dort auch unseren Einfluss geltend machen. Es gab auch einige Generalversammlungen, an denen wir aktiv Einfluss genommen haben. Dieser sogenannte Sozialkapitalismus bzw. die Beteiligung der Mitarbeitenden an den Kapitalerträgen gehörte wohl auch zu den Grundideen des BVG.
Zählen Sie auch Immobilienanlagen zu den Realwerten, in die Sie investieren?
Immobilien sind für mich ein Zwitter. Ich bin grundsätzlich kein Freund von Anlagen in Ressourcen. Anlagen in Rohstoffe, dazu zähle ich auch das Gold, sind für Pensionskassen und ihre langfristige Orientierung nicht geeignet, auch wenn damit zurzeit viel Geld zu verdienen ist. Eine Pensionskasse sollte am Wachstum und der Wertschöpfung der Wirtschaft teilhaben. Immobilien liegen zwischen Wertschöpfung und Ressourcen. Ein Effekt der Wertsteigerung sind die steigenden Mieterträge. Immobilien bewegen sich performancemässig übrigens zwischen Aktien und Obligationen und sind entsprechend attraktiv. Wir investieren darum gerne in Immobilien, doch müssen sie zum richtigen Preis erworben werden können, zumal die Mieterträge jederzeit auch wieder sinken können.
Wie genau sieht Ihre Anlagestrategie demnach aus?
Zurzeit haben wir etwa 50% unseres Portfolios in Aktien, die Hälfte in der Schweiz und die andere Hälfte im Ausland, 20% in Immobilien, knapp 20% in kurzfristigen Obligationen. 10% flüssige Mittel geben unseren Spezialisten die Möglichkeit, Kaufgelegenheiten zu nutzen. Mit den Realwerten sichern wir uns ausserdem gegen inflationäre Tendenzen ab.
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